1. Architektur­Exkurs: Mauer­werks­verbände

In diesem Exkurs sollen Mauerwerksverbände im Stadtgebiet Oldenburgs gesucht, fotografiert und gezeichnet werden.

Der Auszubildende bekommt die Aufgabe, die architektonisch markanten Verbandsarten Kreuzverband, Blockverband und wilder Verband zu dokumentieren. Dabei lernt unser Neu-Oldenburger gleichzeitig die Stadt kennen.

Hier das Ergebnis der Recherche unseres Auszubildenden Paul Vehring:

Einleitung

Teil meiner Ausbildung zum Bauzeichner sind mehrere zusätzliche Exkurse, um so diesen Beruf noch besser kennenzulernen. Der erste dieser Art ist: Mauerwerksverbände in Oldenburg.  Dieser Exkurs legt außerdem für mich Nahe auch die Stadt Oldenburg besser kennenzulernen. Weiterführend wurde mir also aufgetragen im Stadtgebiet insbesondere historische Bauten abzulichten und ihre Verbände zu bestimmen. Beispielhaft wird von den Verbandsarten jeweils ein Gebäude herausgesucht, fotografiert und einem der drei Verbandsarten zugeordnet. Als Verbandsarten wurden für mich Blockverband, Kreuzverband und wilder Verband, wobei ich zusätzlich noch einen gotischen Verband gefunden habe, festgelegt. Dazu soll dann jeweils eine Skizze angefertigt werden, welche meiner bauzeichnerischen Ausbildung zugutekommen wird.

Verblendsteine an historischen und modernen Gebäuden

Durch Mauerwerksverbände werden Wandflächen gestaltet.

Normen der Mauersteine

Es wird unter mehreren Formaten bei Mauersteinen unterschieden. Die am häufigsten benutzten Größen sind Normal-, Dünn- und 2-Dünnformat. Die Breite und Länge dieser ergeben sich nach der Maßordnung hier spezifisch als Vielfaches von 125mm, dem sogenannten Oktameter, da achtmal 125mm ein Meter ergeben. Das gängigste Format entspricht der Größe eines Klinkersteins, welches als Normal(-format) angesehen wird. Dieses NF ergibt nach der DIN 1053 „Mauerwerk“ genau 240x115x71mm. Auffällig ist, dass der Breite und Länge jeweils ein Zentimeter fehlt um einem vielfachen des Oktameter zu entsprechen. Dies liegt daran, dass diese ein Zentimeter breite Lücke durch eine Schicht Mörtel eingenommen wird. Das Dünnformat unterscheidet sich vom Normalformat nur in seiner Höhe, statt 71mm zählt es nur 52mm. Weitere Formate, wie 2DF und 3DF, sind Vielfache oder Additionen der zuerst genannten Größen. 2-Dünnformat entspricht der allgemeinen Länge und Breite, die Höhe jedoch ergibt sich aus der zweifachen Höhe des Dünnformats sowie der Höhe einer Mörtelschicht von ungefähr 9mm. Das Ergebnis beträgt 113mm. 3-Dünnformat hingegen besitzt die Höhe und Länge eines 2DF-Steins und unterscheidet sich nur in der Breite welche 175mm beträgt. 3DF ist somit die Ausnahme was die Maßordnung angeht und wird deswegen nur bei Innenwänden oder Innenverschalung benutzt. Am häufigsten werden Dünn-, Normal- und 2-Dünnformatsteine als Verblender für Außenmauern benutzt. Für Innenmauern werden jedoch größere Steine ab 3-Dünnformat benutzt, da diese verputzt werden und kein großer Wert auf das Aussehen des Verbandes im Inneren gelegt werden muss. So wird insbesondere bei Sichtmauerwerk auf die Einhaltung der Maßordnung geachtet.

Arten der Baunennmaße

In der Vermessung von Wänden unterscheidet man zwischen drei Methoden. Die unterschiedlichen Vermessungsmethoden erklären sich durch die abweichende Anzahl von Mörtelfugen. So berechnet man bei einem Außenmaß die Anzahl der Steine anhand der Oktameter und zieht weiterführend einen Zentimeter ab, welcher als Mörtelfuge gilt, da die Steine den Mörtel umschließen und es dementsprechend eine Fuge weniger geben muss. Beim Öffnungsmaß verhält sich die Sache jedoch anders, da man in diesem Fall die fehlenden Steine und Fugen misst. In diesem Fall fehlt eine Fuge mehr als mit 12,5cm pro Stein errechnet wird, weswegen es erforderlich ist einen Zentimeter zu diesen im Öffnungsmaß hinzuzufügen. Das Vorsprungsmaß richtet sich an die Innenseite einer Mauer welche durch eine Öffnung abgetrennt wird, oder eine Ecke hat. Diesem Maß muss man weder eine Fuge hinzufügen oder abziehen, da es an einem Ende der Mauer eine Fuge gibt und am anderen Ende nicht. So verweilt man hier bei 12,5cm pro Stein um das richtige Maß zu berechnen.

Verschiedene Arten von Mauerwerksverbänden anhand von Beispielen

Im Groben unterscheidet die Maurerfibel unter acht verschiedenen Mauerwerksverbandsarten exklusive deren Abwandlungen. Da diese jedoch alle nicht so häufig vorkommen wie die unten aufgezählten, fallen dies außen vor. So richtet sich das Augenmerk dieses Exkurses auf die drei meist verwendeten Verbände, wobei der wilde Verband der mit Abstand häufigste ist.

Blockverband

Der Blockverband bildet sich aus einer abwechselnden Läufer- und Binderschicht wobei die Binderschicht um ein Viertel verschoben ist. So ergibt sich ein regelmäßiges Bild aus ineinandergreifenden Kreuzen, welche einen senkrechten Block bilden.

Kreuzverband

Der Kreuzverband bildet sich aus einer kreuzartigen und gleichmäßigen Struktur. Diese Struktur ist ein Produkt von einer Läuferschicht, welche von zwei Binderschichten umgeben ist. Die Binderschichten sind um ein Viertel gegenüber den Läuferschichten versetzt und die Läuferschichten sind unter sich um die Hälfte versetzt. Diese Art von Verband wurde häufig bei älteren Bauten (bei sogenannten Sakralbauten) verwendet.

Wilder Verband

Der wilde Verband zeichnet sich durch die bestimmte Eigenschaft aus, dass es sich um ein unregelmäßiges Fugenbild handelt. So sollen maximal nicht mehr als fünf Läufer in einer Reihe vermauert werden bis sie von einem Binderstein abgelöst werden. Zusätzlich sollen zusammenhängende oder gleichmäßig wirkende Muster vermieden werden. Für den menschlichen Betrachter bildet sich ein ungeordneter, gar wilder Anblick.

Gotischer Verband mit Läufer-Binder-Schichten

Als ersten richtigen Plan in meiner Ausbildung als Bauzeichner habe ich eine Ansicht vom Tiefbauamt Oldenburg gezeichnet. Diese wird auch im folgenden Bauantrag Verwendung finden. Auf Bildern wirkte der Verband auf mich wie ein Kreuzverband. Nachdem mir schließlich aufgefallen war, dass dieser aus Läufer-Binder-Schichten besteht, anstatt aus einer Läufer- und einer Binderschicht, fand ich heraus, dass es sich um einen Gotischen Verband mit Läufer-Binder-Schichten handelt. Der Name erklärt den Verband schon recht gut, da die Schicht immer abwechselnd aus einem Läufer und einem Binder versteht, wobei die darüber liegende Schicht um die Hälfte eines Läufer-Binder-Paares verschoben ist.

Handskizzen der Mauerwerksverbände

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